Neues Analysemodell Creative Industries von britischen Wissenschaftlern entwickelt

Ein Aufschrei ging vor einem Jahr durch die britische Öffentlichkeit: Die britische Kreativwirtschaft sei offenbar nur ein „Fake“ und mitnichten der „Hub“ der globalen Welt. Das britische Kulturministerium (Department for Culture, Media and Sport, DCMS) hatte die Berechnung des Anteils der Kreativwirtschaft an der gesamten Bruttowertschöpfung Grossbritanniens geändert. Danach sank dieser Anteil binnen eines Jahres von 5,6 Prozent auf 2,9 Prozent. Hätten diese Zahlen einen realen Markteinbruch widergespiegelt, wäre eine Erschütterung durch die britische Kreativwirtschaft gegangen. Tatsächlich steckte lediglich eine statistische Neuberechnung hinter diesen Prozentangaben.

Um vergleichbare Verwirrungen zukünftig zu verhindern haben sich drei Experten auf den Weg gemacht. Die Wissenschaftler Hasan Bakhshi (UK), Alan Freeman (CA) und Peter Higgs (AUS) entwickelten im vergangenen Jahr ein verbessertes Analysemodell auf der Basis des DCMS. Damit kann die Debatte um die britische Kreativwirtschaft wieder auf ein verlässliches empirisches Fundament gestellt werden. Die Wissenschaftler haben mit Beginn des neuen Jahres 2013 den 80-Seiten Forschungsbericht „A Dynamic Mapping of the UK’s Creative Industries“ vorgelegt.

Hervorzuheben ist das vollständig offene Forschungsmodell des Berichtes, welches von anderen interessierten Forschern ebenso angewendet werden kann. Diese an sich selbstverständliche wissenschaftliche Forderung nach Transparenz ist für die Kulturwirtschaftsforschung insbesondere deshalb wertvoll, weil damit eine Vertrauensbasis für die Kultur- und Kreativwirtschaft geschaffen werden kann. Denn Transparenz, Vertrauensbasis und Verlässlichkeit der empirischen Grundlagen sind wichtige Voraussetzungen für die Weiterentwicklung dieses noch stark fragmentierten Branchenkomplexes. Deshalb unser Urteil: Gratulation an die drei Wissenschaftler für diese exzellente Arbeit!

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